Teil I Auswandern – Wie ist es eigentlich, auf den Seychellen zu leben?

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Judith Heede hat in Hamburg als Redakteurin bei der Flair und Grazia gearbeitet. Und dann hat sie auf den Seychellen ihren Traummann kennengelernt – und das hat einfach alles verändert.

Judith, Du lebst seit einiger Zeit dort, wo sich die meisten von uns am liebsten hinbeamen möchten, auf den Seychellen. Wie ist es zu dieser Entscheidung gekommen?

Ich war 2013 alleine hier im Urlaub und habe meine Freund kennengelernt und mich verliebt :-) Da ich zu der Zeit gerade einen Vertrag unterschrieben hatte für eine Social Media Agentur in Deutschland, bin ich zunächst gependelt. Das ging ganz gut, da mein Freund geschäftlich häufig in Europa war und wir uns so mindestens einmal im Monat sehen konnten. Nach kurzer Zeit hatte mein Chef mir netterweise angeboten frei für die Firma weiterzuarbeiten und so habe ich meinen Laptop eingepackt und mehr und mehr Zeit auf den Inseln verbracht. Nach einem Jahr habe dann mein WG-Zimmer  in Hamburg aufgegeben und bin ‚offiziell‘ ausgewandert.

Aus Hamburg warst Du nicht gerade optimale klimatische Bedingungen gewohnt, geht Dir so viel Sonne manchmal auf den Geist?

Niemals! :-) Allerdings fehlen mir manchmal die Jahreszeiten – weniger der Regen und die Kälte als der Wechsel der Farben draußen . Hier ist es immer grün, grün, grün und die Sonne geht zur gleichen Zeit auf und unter. Das kann manchmal ziemlich langweilig werden. Aber man kann bekanntlich nicht alles haben und wenn ich wählen müsste, dann verbringe ich lieber den Urlaub mal in der Kälte als anders herum.

Du hast in Deutschland als Redakteurin bei der Grazia gearbeitet – also ein Traumjob. Fehlt Dir die Arbeit als Journalistin?

Ich habe nach Grazia noch ein Jahr bei Flair gearbeitet, aber als das Heft eingestellt wurde, hatte ich das Gefühl es war der rechte Zeitpunkt für mich etwas neues zu wagen. Von alleine hätte ich meinen Traumjob niemals gekündigt, aber am Ende war ich froh dazu gezwungen zu sein etwas anderes zu versuchen.

Wusstest Du immer, dass Du die richtige Entscheidung getroffen hast oder gab es auch Zweifel?

Es gab viele Momente in denen ich Zweifel hatte und manchmal auch noch habe. Das Leben auf einer kleinen Insel ist nicht einfach und man muss viele Abstriche machen. Vieles wird einem erst bewusst, wenn man den Schritt tatsächlich gewagt hat. Zunächst hatte ich keine eigenen Freunde, keinen Alltag, mein Englisch war immer in Ordnung, aber es ist trotzdem etwas anderes als die eigene Muttersprache zu sprechen – da bleibt viel auf der Strecke… Ich musste sehr stark sein und mein Ego erstmal hintenanstellen. In einem fremden Land ist jeder zunächst ein Niemand und ich war einige Monate „nur der Partner von“. Wie schwer das ist, versteht man erst wenn man in der Situation ist. Es gab Momente da wollte ich aufgeben und unsere Beziehung hat darunter auch gelitten. Aber ich wusste immer, dass ich auch nicht zurück nach Deutschland wollte und so habe ich mich durchgebissen. Seit meiner Kindheit wollte ich auf einer Insel leben und Schriftstellerin werden. Wenn ich jetzt morgens aus dem Fenster auf den blauen Ozean schaue und weiß meine Arbeit besteht hauptsächlich aus Schreiben dann bereue ich es nicht, durchgehalten zu haben. Ich habe mir meinen Lebenstraum erfüllt.

Manchen mag es eher altmodisch erscheinen, für einen Mann das ganze Leben über den Haufen zu werfen. Würdest Du die Entscheidung immer wieder treffen?

Ich würde nicht sagen, dass ich alles hingeworfen habe. Erstens habe ich mir und uns wie gesagt ein ganzes Jahr gegeben, bevor ich wirklich ‚ausgewandert‘ bin. Außerdem war ich mit meiner Situation in Hamburg nicht mehr glücklich und bereit für einen neuen Lebensabschnitt. Mein Freund hat mir die Chance gegeben diesen Schritt zu wagen ohne mich jemals unter Druck zu setzen. Meine Familie und Freunde sind auf der ganzen Welt verstreut, das heißt ich muss so oder so reisen, um sie zu sehen. Es hat sich also gar nicht so viel für mich verändert, außer die Aussicht aus dem Fenster!

Wie sieht es mit Deinem Freund aus – weiß er, dass Du eine ganze Menge für ihn aufgegeben hast?

Er weiß, dass ich vieles aufgegeben habe, aber auch vieles gewonnen habe durch ihn. Wie schwierig vieles gerade am Anfang ist, kann sich nur jemand vorstellen, der den Schritt ebenfalls irgendwann gewagt hat. Erst dann versteht man welche emotionale Stärke es bedarf, wenn man sich weder auf einen coolen Job stützen kann, noch auf Freunde und Familie. Wenn einem dann noch z.B. der Humor flöten geht, weil man auf einer anderen Sprache einfach nicht so sprachgewandt ist, wie auf der Muttersprache, wird es schwierig. Dann ist man einfach nur da, ganz nackt. Und hofft, dass die Menschen einen lernen, zu mögen, ohne dass man irgendwen oder irgendetwas Besonderes darstellt. Das ist hart und hat mein Freund so ganz wahrscheinlich nicht verstanden. Aber das ist ok, so lange ich es für mich weiß. Und was einen nicht umbringt macht einen bekanntlich stärker :-)

Würde er das Gleiche auch für Dich tun?

Das ist eine schwierige Frage, da unsere Situationen ganz anders sind. Das Leben, das wir hier führen wäre so nicht möglich, würden wir in Deutschland leben. Er leitet hier sein Familienunternehmen, das zu einer der größten und erfolgreichsten Firmen des Landes zählt. Die Firma wird sein Generationen von der Familie geführt und gibt uns ein gutes Auskommen. Ich wäre nicht in der Lage uns diesen Lifestyle in Deutschland zu finanzieren und seine Firma bedeutet ihm sehr viel. Daher stelle ich mir diese Frage eigentlich nicht.

Wie schwer ist es auf den Seychellen Fuß zu fassen?

Das kann ich schwer sagen, weil das meine erste Auswanderung ist :) Ich habe ein Jahr in Innsbruck studiert und bin später von meiner Heimat München nach Hamburg gezogen, wo ich keine Menschenseele kannte und ganz alleine war. Aber das ist immer noch Deutschland bzw. deutschsprachig. In Hamburg war ich für den Job bei Grazia, sprich ich habe schnell viele Mädels in meinem Alter kennengelernt mit ähnlichen Interessen. Auf den Seychellen hatte ich zunächst niemanden, außer meinem Freund und der hatte von Anfang an seinen Alltag, seine Routine und Freunde und den Job. Ich wusste, ich wollte nicht in einem Büro hier arbeiten, meine Selbstständigkeit ist mir heilig. Außerdem hätte ich mir gar nicht zugetraut auf Englisch in Meetings teilzunehmen und Konferenzen mitzumachen. Wenn man als Auswanderer dazu bereit ist, denke ich findet man relativ schnell Anschluss – wie überall sonst auch auf der Welt. Ich habe mich als freie Journalistin zu Hause vor meinem Laptop etwas schwerer getan Fuß zu fassen und Leute kennenzulernen. Aber ich hatte immer die Clique von meinem Freund, darunter sind viele nette Menschen mit spannenden Geschichten. Meine eigene Runde zu finden, hat etwas länger gedauert – dafür ist es die Beste weit und breit :-)

Fühlst Du Dich manchmal einsam?

Mittlerweile nicht mehr. Am Anfang habe ich meine Familie und Freunde vermisst, aber nach fast vier Jahren fühle ich mich hier zu Hause. Dank Skype und Whatsapp kann ich meine Lieben ja so oft hören und sprechen wie ich will – manchmal zu oft :-) Spaß beiseite, wer ist heute aber noch einsam in einer Zeit, wo das Handy alle vier Sekunden vibriert? Ich habe mir zwei Jahre lang kein „local Phone“ angeschafft, gerade damit ich außerhalb des Hauses (Wlan) nicht erreichbar bin. Himmlisch – am Strand liegen ohne Handy! Mittlerweile kann ich es mir aus Jobgründen nicht mehr leisten.

 

Der zweite Teil des Interviews mit Judith Heede wird am Wochenende hier zu lesen sein!

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